Quelle Katalog

Könnt ihr euch noch an dieses dicke Buch der Wünsche erinnern? Es kam zweimal im Jahr. Heissbegehrt bei uns Kindern war der Winterkatalog.

Anders als heute konnten wir uns nicht im Internet oder sonstigen Social Media Kanälen informieren, welche Spielzeuge gerade angesagt waren. Im Fernsehen gab es eher Werbung für Maggie Produkte, Spüli und Zigaretten. Die Spielwarenmesse in Nürnberg war nur eine Messe für Fachhändler. An einen Einkaufsbummel mit Mama (ohne konkreten Anlass) kann ich mich erst in den Mitte 70er erinnern, nach dem bei uns ein Einkaufszentrum eröffnet wurde.

Zurück zum Katalog. Dieses Bilderbuch der Wünsche brachte uns durch den Herbst und den Advent. Täglich haben wir geblättert. Seiten als Merker eingeknickt, Spielzeuge als Wunsch markiert – wieder verworfen und neue Wünsche formuliert. Nach Weihnachten war der Katalog total zerfleddert und Mama freute sich auf den neuen Frühjahrskatalog.

Meine Kinder hatten dann schon mehr Auswahl an Printmedien. Es gab eigene Kataloge vom Vedes Fachgeschäft, vom Drogeriemarkt Müller oder Woolworth. Auch im Fernsehen wurden die Kinder als Werbekunden entdeckt. Mit den Kinderfilmen im Kino wurde bestimmt nicht soviel verdient, wie mit den passenden Spielzeugen dazu. Ich erinnere mich z.B. an Glücksbärchen, Masters of Universe oder Little Foot. Trotzdem blätterten meine Kinder sehr gerne in Katalogen und Prospekten. Was man sich alles wünschen könnte…. und Vieles davon, zu Vieles, wurde dann auch in den Geschäften gekauft.

Auch meine Enkelin freut sich heute noch über einen Spielzeugkatalog. Die Reaktion ist aber eine andere. Sie freut sich, dass sie auf Papier entdeckt was sonst über die div. Bildschirme zu sehen ist.

Ja, und ich bzw. wir? Freuten uns über die wöchentlich angelieferten Prospekte der im Umkreis von wenigen Metern liegenden Supermärkte, Discounter, Möbelhäuser und Baumärkte. Zu unserem morgendlichen Sonntagsvergnügen gehörte das Finden von ‚Schnäppchen‘. Wir machten eine Einkaufsliste und einen Routenplan für den Montag. Familie mit zwei Kindern, Hund und Haus benötigt so manches. Da musste man auch aufs Geld schauen…

Heute blättern wir immer noch in Prospekten. Aber die Einkaufstour entfällt. Wegen Corona? Nein!

Wir brauchen schlicht und einfach fast nix mehr 😀

Wenn mir früher meine Oma Geld geschenkt hat und ich es nicht nehmen wollte aufgrund ihrer geringen Rente – hat sie immer gesagt: Kind, ich brauch nix mehr, nimm’s ruhig.

Oh man, jetzt sind wir auch so weit….

Wochenblatt

Heute ist Sonntag und damit auch Wochenblatttag. Man kann über diese kostenlose Zeitung, die frei Haus geliefert wird, durchaus geteilter Meinung sein.

Obwohl ich Abonnent unserer lokalen Tageszeitung bin und auch sonst digital viel Zeitung lese, finde ich, dass die Wochenblätter durchaus ihre Daseinsberechtigung haben.

Die lokalen Artikel bieten oft eine andere Perspektive zu den etablierten Zeitungen. Die Volontäre und Redakteure sind meist ‚frisch‘ , unverbraucht und noch ohne großes Netzwerk ins Etablishment. Dementsprechend auch noch mutiger andere Meinungen als des Mainstream zuzulassen. Als Leser und Bürger hat man bei diesen Blättchen eher mal die Möglichkeit ein Thema zu platzieren, dass einem wichtig ist.

Für viele Mitbürger ist das Wochenblatt wohl auch die einzige Zeitung, die sie lesen – da kostenlos. Und wahrscheinlich auch wertvoller als die BILD. Zudem gibt es die Möglichkeit kostenlose Inserate für gebrauchte Sachen zu platzieren bzw. Dinge zu finden, die man dringend braucht, sich aber nicht leisten kann.

Zudem konnte ich feststellen, dass Stellenanzeigen für Aufgaben, die geeignet sind für Mitbürger ohne große Bildung und Ausbildung, im Wochenblatt inseriert werden. Menschen, die nicht Internetaffin sind in Arbeit zu bringen halte ich für sehr wichtig.

Zu guter Letzt gibt es zusammen mit unserem Wochenblatt viele Prospekte örtlicher Geschäfte und Anbieter.

Das ist aber eine neue Geschichte. Seid gespannt.

Flughafen Paderborn – eine längere Kurzgeschichte Teil 2

Der Flughafen Paderborn kann beschrieben werden als große Industriehalle mit einem Counter, der zugleich ein Kiosk ist. Die Anzeige der Flüge ist aber professionell und mein Flug nach München soll pünktlich stattfinden. Das Wetter ist inzwischen sonnig und trocken. In 10 Min soll der Flug starten. Es tut sich aber rein gar nichts. Alle anderen Fluggäste sitzen ruhig im Wartebereich. Na gut, wird hier nichts besonderes sein, wenn sich ein Flug verspätet… Die Anzeige gibt keine neuen Informationen her. Langsam werde ich nervös. Ich gehe zum Kiosk und frage mal nach. Ja, der Flug wird sich verspäten. In München schneit es und es gibt keinen Landeslot für den Flieger aus Paderborn. Der Flug verschiebt sich immer wieder. Ich informiere mich nach einem Zug nach München. Auch keine Möglichkeit…. Also warten.

Nach Stunden des Wartens, und vielen Telefonaten mit meinem Chef in Feldafing die gute Nachricht. Wir werden jetzt alle nach Frankfurt geflogen. In eine große Maschine gepackt und so Gott will, beim nächstmöglichen Slot nach München geflogen. Also jetzt in Frankfurt. Ich bin in den Flieger nach München gebucht. Kann aber noch Stunden dauern. Mit einer Zufallsbekanntschaft, einem Leidensgenossen beschließe ich, mir ein Bier zu genehmigen. Kaum steht das Bier am Tresen kommt die Durchsage: Alle Passagiere nach München sofort an Board. Boarding schließt in 5 Min. Wieder im Dauerlauf in die Maschine. Die Türe schließt direkt hinter mir, der Flieger rollt schon obwohl die Meisten noch im Gang stehen. Wir fliegen Richtung München. Der Pilot hofft, dass wir landen können. Sicher ist es nicht. Schneechaos in München.

Wir landen. Ich bin in München. Gott sei Dank. Mitternacht. Jetzt ins Auto und entspannt nach Starnberg fahren. Entspannt? Der Schnee liegt Zentimeter Hoch auf der Autobahn. Es ist nix los. Alle anderen sind Zuhause. Ich Schleiche und rutsche durch München. Komm aber voran. Nach München gleicht die Fahrbahn einer Rodelpiste. Es wird wohl nicht mehr geräumt….

Um 2 Uhr morgens erreiche ich das Tagungszentrum. Die Einfahrt liegt in einer kleinen Kurve. Ich bremse, rutsche und lande in der Wiese. Die letzten Meter, den Berg hinauf gehe ich zu Fuß. Mit Pömps.

Das war ein Tag. Ein Lieber Kollege hat vorsorglich eine Flasche Rotwein und Knabberzeug organisiert und auf mich gewartet. Der beginnende Morgen wurde dann noch sehr nett und lustig.

An diesem Tag konnte ich dann auch meine zweite Aufgabe zur Zufriedenheit aller erledigen. Nur einige Kollegen mussten Federn lassen, beim Versuch mein Auto aus den Schneemassen zu befreien. Schuld daran waren bestimmt die chicen Anzugschuhe 😂

Das war sie, eine Geschichte aus meinem Leben, die ich nie vergessen werde.

Flughafen Paderborn – eine längere Kurzgeschichte, Teil 1

In der momentanen Krise geraten viele kleinere Flughäfen in Schieflage. Dazu gehört auch der Flughafen Paderborn, der Insolvenz beantragen musste. Was interessiert mich Paderborn? Nun, ich verbinde eine, im Nachhinein sehr amüsante Erinnerung mit Paderborn.

Es war einmal, vor vielen Jahren, da sollte ich innerhalb von zwei Tagen die Welt meines Geschäftsgebietes retten. Ich, das noch kleine Rädchen im mittleren Management der großen Firma.

Die eine Aufgabe bestand darin, im Rahmen unseres Leitungskreises im elitären Tagungszentrum in Feldafing, meine Kollegen und Kolleginnen von den dringend notwendigen Veränderungen in unseren Prozessen zu überzeugen.

Die andere Aufgabe war für mich die größere Herausforderung, da neues Terrain. Ich sollte die Vertriebskollegen unserer SBS dabei unterstützen einen neuen großen Kunden zu gewinnen. Dazu war ein Besuch beim Vorstandsvorsitzenden dieser Firma in Paderborn anberaumt.

Der Plan war, ich fahre sehr früh mit dem Auto zum Flughafen nach München. Fliege von dort nach Paderborn. Werde am Flughafen vom Kollegen abgeholt und zum Kunden gefahren. Um 10 Uhr war der Termin. Danach geht es zurück und dann mit dem Auto weiter zum Starnberger See. Am nächsten Tag dann mein Vortrag. Soweit der Plan..

Es war im Februar. Schlechtes Wetter war zu erwarten. Also noch früher aufstehen und noch früher losfahren. Ab der Holledau dichter Nebel. Unfall auf der A9. Kein Problem, wird zwar knapp aber ich bin rechtzeitig losgefahren. Am Flughafen dann möchte ich mittels meiner Amex das elektronisch gebuchte Ticket ausdrucken. Fehlanzeige! Es klappt nicht. Panik!!!! Ich sofort zum Schalter.3 Menschen vor mir. Das klappt noch. Als ich dran bin, stellt die Dame fest, dass ich am falschen Schalter bin. Sie sieht die Panik in meinen Augen und informiert ihre Kollegin am Schalter gegenüber. Diese zieht mich den Wartenden vor. Sie versucht das elektronische Ticket zu aktivieren. Geht nicht. Ich, in meiner Not, möchte ein neues Ticket kaufen. ‚OK, sagt sie, dann machen wir das. Oh – leider kann ich kein Ticket mehr für diesen Flug ausstellen. Das Boarding ist geschlossen.

´ Nicht ausflippen, Ruhe bewahren sage ich zu mir. Zu Ihr sage ich: ich muss! Um 10 Uhr in Paderborn sein. Welche Möglichkeiten gibt es. Sie: keine, es geht erst wieder Nachmittag ein Flug nach Paderborn. Ich: gibt es einen anderen Flughafen in der Nähe. Sie: ja etliche. Ich: ich nehme den ersten Flug in die Nähe – egal wohin. Sie: Große Augen Ich: ja bitte sehen sie nach welche Maschine die nächsten 30 Min in diese Richtung fliegt. Sie: Es gibt einen Flug nach Dormund, der schließt aber in 15 min das Boarding. Ich: Bitte sofort buchen und am Gate informieren, dass ich komme. Also im Dauerlauf durch den halben Flughafen. Rein in den Flieger und ab gehts nach Dortmund 😅

Die Stewardess genehmigt mir ausnahmsweise ein Telefonat, während wir zur Startbahn rollen. Ich informiere meine Sekretärin über die Planänderung. Der Kollege kann sich den Weg zum Flughafen Paderborn sparen. Ich nehme mir in Dortmund einen Leihwagen und fahre direkt zum Kunden. So der Plan.

Über Dortmund dicker Nebel. Wir kreisen erstmal ein wenig – Panik, die Zeit läuft davon… Wir landen. Für einen Leihwagen ist es zu spät. Ich hüpfe in das erstbeste Taxi. Bitte fahren sie mich nach Paderborn und schnell bitte, ich muss um 10 Uhr an einem sehr wichtigen Termin teilnehmen. Taxifahrer: das wird knapp. Aber wenn wir eine Pauschale ausmachen, könnten wir das schaffen 😉 Ich: Alles was sie wollen. Wir waren um 9:55 Uhr an der Pforte, der Preis war fair. Ich war pünktlich und der Termin verlief super.

Danach, Mittag ging die Anspannung zurück. Mir zitterten die Knie und der Kollege sah sich in der Pflicht mich auf eine Mittagspause in einem wunderschönen Lokal einzuladen. In der Erwartung, dass nun alles wieder seinen geregelten Ablauf nimmt, fuhr er mich danach zum Flughafen Paderborn.

Weit gefehlt… Interessiert es euch wie’s weiterging? Dann bitte Teil 2 lesen.

Berliner Flughafen

Ganz zu Anfang meiner Berufstätigkeit durfte ich als Incentiv einen Kollegen nach Berlin zu WMW (Werkzeugmaschinenbau der Siemens AG) begleiten. Das war Anfang der 80er. Fliegen war damals noch ein großes Erlebnis und nichts alltägliches.

Meine Flugreise ging von München Riem nach Berlin Tegel. Der Flug wurde von PanAm als Transitflug durchgeführt. Nur die Alliierten durften die festgelegten Luftkorridore benutzen. Und es war ausschließlich eine Flughöhe von mindestens 2500 bis höchstens 3048 Meter zulässig.

Dieser Flug wurde zu einem meiner größten Abenteuer welche ich erleben durfte.

Die Maschine der amerikanischen Fluglinie war ein ausgemustertes, sehr altes Exemplar, dass man wohl in Amerika nicht mehr einsetzen konnte und wollte. Beim Einsteigen war das leider nicht zu übersehen. Na ja, die 2 Stunden! nach Berlin würde ich schon überstehen. Der Flieger brummte, wackelte und zitterte in die Luft. Ich hatte das Gefühl alle Schrauben waren locker… und es kam noch besser. Kaum gestartet teilte uns der Kapitän mit, dass wir durch eine große Gewitterfront müssen. Diese könnte er nicht überfliegen, da er die Flughöhe von 3000m einhalten muss. Die DDR hätte nur Radaranlagen die bis zu dieser Höhe funktionieren. Der Blitz wird uns nicht erschlagen, da das Flugzeug ja ein Faradayscher Käfig ist. Es wird nur kräftig wackeln und rauf und runter gehen. Wie tröstlich. So war es dann auch. Wir Passagiere waren bei der Ankunft so fertig, dass man uns großzügiger Weise am Flughafen in Tegel in den exklusiven VIP Bereich geleitet und mit kreislauffördernden Alkoholica versorgt hat. Den Rest des Tages habe ich dann dank dieser Behandlung im Hotelbett verbracht….

Nun, am Tag der Rückreise hatte ich dann Zeit und Muse mir den Flughafen Tegel genauer anzusehen. Er hat mich sehr beeindruckt, auch durch seine runde Form. Man konnte sich nicht verlaufen. Und die vielen internationalen Flugzeuge. Dagegen war der Flughafen in München provinziell.

Später, viel später, bin ich dann oft nach Berlin Tegel geflogen. Meist von Nürnberg. Zu dieser Zeit war Berlin Tegel ein riesiges Drehkreuz der Air Berlin. Unzählige Maschinen waren im Einsatz. Ich hatte das Gefühl Air Berlin wäre als Fluggesellschaft größer und bedeutender als die Lufthansa.

Ja, inzwischen gibt es vieles Nicht mehr: die DDR, den Flughafen Riem, die Air Berlin, die WMW und nun zu guter Letzt auch den Flughafen Tegel. Alles Vergangenheit.

Derzeit schaue ich wehmütig nach dem BER. Zur Eröffnung tat man sich schwer 2 Maschinen gleichzeitig landen zu lassen. Und dann war eine dieser Maschinen auch noch ein Billigflieger… Außer der Lufthansa fliegen im Moment wenig namhafte Airlines den neuen BER an. Zumindest braucht niemand mehr befürchten, dass er zu klein geraten ist, der neue Flughafen. Traurig.

Dem neuen Flughafen BER wünsche ich alles Gute. Auch, dass er irgendwann mal seinem Status als Flughafen der Deutschen Hauptstadt gerecht werden kann.

Die neue Automobilität

Derzeit erschlagen uns ja die vielzähligen Negativ Nachrichten zur Deutschen Autoindustrie. Bei uns in der Familie, ja in der ganzen Stadt ist jeder irgendwie davon betroffen. Der Slogan ist allgemein, dass wir diese 2 bis 3 schlechten Jahre überstehen müssen und werden.

Unsere Politiker im Land sind der selben Meinung.

Wohl mir fehlt der Glaube….

Heute, auf der Rückfahrt von Bella Italia war der übliche Stau. München bis Tauerntunnel und Tauerntunnel bis Greding. Hunderte Kilometer, Stopp and Go. 8 Spuren voll.

Am Samerberg und Irschenberg kann man die Kolonnen am Besten sehen. Soweit das Auge reicht. Auto an Auto.. und es war kein Ferienbeginn oder -Ende.

Jetzt stelle ich mir vor, das sind alles Elektroautos. Wo bitte sollen die alle Tanken? Gibt es dann Tankstellen mit hunderten von Elektrozapfsäulen? Wo soll der Strom dafür herkommen? Direkt aus den neu erbauten Wasserkraftwerken die sich aus den Gletschern der Alpen speisen? Und die größte Sorge machen mir die notwendigen Starkstromleitungen zu den Zapfsäulen… wahrscheinlich wachsen dann Olivenbäume und Palmen im Chiemgau. Der Boden dürfte durch diese Fußbodenheizung warm genug werden.

Also wir bleiben dann einfach gleich in Bayern. Die Reichweite der EAutos ist dann auch genug.

Ach so, man könnte auch Wasserstoffautos bauen. Nur, die wird man nicht dicht bekommen- außer die Moleküle werden Gen verändert und wachsen noch.

Die Zukunft für das Auto und damit für den Industriestandort Deutschland wird bestimmt spannend. Drücken wir die Daumen und hoffen das unseren Wissenschaftlern, Politikern und dem Geldadel dazu mehr einfällt.

Der Maler

Der Karl. Ein gut genährter dunkelhaariger Mitfünfziger. Gemütlich und ruhig ist er. Er hat tiefe Augenringe.

Da sitzt er neben mir auf der Terrasse und wir trinken eine Tasse Kaffee. Pause.

Kennengelernt haben wir ihn letztes Jahr auf der Herbstdult. Wir haben uns einen Tisch geteilt und sind ins Gespräch gekommen. War ein netter Abend. Der Karl hat erzählt, dass er LKW fährt und gelernter Maler ist. Im Nebengewerbe malert er immer noch….

Also Handynummer notiert – Maler kann man als Hausbesitzer bestimmt mal brauchen.

Jetzt ist er da und verschönert unser Wohnzimmer.

Er ist kein Plauderer. Er fischt, mag seine Ruhe. Ich höre zu.

Er erzählt von seiner Kindheit im Kinderheim. Ich lerne, dass nicht nur Priester Kinder misshandelt haben, sondern Ordensschwestern das wohl auch als ihre Pflicht gesehen haben… Als Jugendlicher kommt er zum 1. Mal mit dem Gesetz in Konflikt. Wohl immer wieder mal. Im Jugendgefängnis kann er seine Malerlehre fortsetzen und abschließen.

Ein normales Leben kennt der Karl nicht. Er braucht weniger das Geld als den Kick.

Mit einem Freund beginnt er Einbrüche zu machen. Knackt Tresore – wird immer wieder erwischt. Insgesamt verbringt er 27 Jahre in Haft . Mehr als sein halbes Leben.

Seit 5 Jahren ist er draußen. Er macht keine Brüche mehr. Er ist fleißig in seinem Beruf und im Nebenjob. Seine Schwester ist ihm eine große Stütze. Eine Frau sucht er halt, der Karl…

So, Pause beendet. Das Wohnzimmer fertig streichen.

Was für eine Geschichte

Der Karl ist ein guter Maler – er wird von uns bestimmt wieder gebraucht.

Am Ende wird alles gut

Wieder ein Sonntag. Wetter durchwachsen. Es wird ein gemütlicher Tag. Zeit um einen Sauerbraten zu machen. Also Braten am Herd anbraten und ab in das Backrohr damit. Jetzt sind mindestens 2 Stunden Zeit für andere Dinge, wie z.B. Blaukraut kochen. Dafür brauche ich einen Apfel. Keiner mehr im Obstkorb. Ah, ich habe noch Apfelstücke für Apfelkuchen eingefroren. Nehm ich halt davon. Und mit dem Rest backe ich noch Apfelkuchen und versüße uns den regnerischen Sonntag. Genug Zeit habe ich ja.

Zwischendurch könnte ich ja unsere Couch mal mit einem feuchten Tuch abwischen. Was ist das? Nein! Die Gummierung des Kunstleders löst sich ab. Überall, mal mehr, mal weniger.

Zwischendurch nach dem Braten sehen. Der Ofen ist kalt. Keine Reakion mehr. Nicht mal Licht. Was mache ich jetzt mit dem halbgaren Braten? Nachbarin anrufen. Um Asyl für den Braten bitten. Hoffentlich ist sie Zuhause. Es klappt, Braten aus der Röhre nehmen, raus, über den Hof und mit dem Gargut zwei Stockwerke hoch. Nachbarin wartet schon und übernimmt. In 90 Minuten komme ich wieder 😅

Was wird aus dem vorbereiteten Kuchen? Die Nachbarin will, sobald mein Braten fertig ist, wegfahren. Gut, es gibt mehr Nachbarinnen. Die Nächste fragen und es klappt. Kuchenform geschnappt, über die Straße und Kuchen übergeben. In 30 Minuten komme ich wieder.

Evtl. kann man die Couch ja neu beziehen. Die Polsterung und das Gestell sind Tiptop. Gibt es einen Polsterer in der Stadt? Finde einen im Internet und vereinbare online für Montag einen Termin.

Brauche Kundendienst für Herd. Dank Internet auch einen für nächste Woche bestellt.

Oh Mann, 30 Minuten sind schon um. Rüber zur Nachbarin, Kuchen holen. Die Hälfte als Entschädigung da gelassen.

Zurück in der heimischen Küche nochmal ein Versuch, den Backofen zu reanimieren. Das Licht leuchtet wieder. Er funktioniert wieder! Also wieder vorheizen.

Rüber zur Nachbarin in den 2. Stock, Braten heimholen (sie kann jetzt los).

Nach zweieinhalb Stunden ist der Tisch gedeckt und mein Schatz hat seinen Wellness Tempel (unser Bad) verlassen. Setzt sich an den Tisch.

‚Mmhhh, sieht alles lecker aus, nur du machst so einen gestressten Eindruck. War was? 🤪

Sonntagsspaziergang

Das Wetter war wieder einmal fantastisch. Die geplante Rollertour viel aufgrund einer Zahn OP aus (der Helm drückt). Macht nix, fahren wir mit dem Rad. … Früh hatte es nur 6 Grad und es gab Wind. Also wir gehen lieber spazieren. Mittagessen zuhause mit leckerem Spargel und los.

Durch die Natur, am Fluß entlang. Menschen liegen auf den Wiesen und genießen die Sonne. Die wussten früher, vor Corona, nicht einmal, dass es hier den wunderschönen Fluß gibt. Auf dem Wasser Kanufahrer und Stand Up Paddler. Am Ufer Angler und Familien beim Picknick – mit den Füßen kann man schon ins Wasser. Steine werfen geht alle Mal. Radfahrer überall. Wie im Urlaub.

Je näher wir der Altstadt kommen, desto mehr verschärft sich der Eindruck, dass wir uns einer Touristenhauptstadt nähern (nur sind die Besucher jetzt Einheimische). Auf der Steinernen Brücke ist das Abstand halten unmöglich. Gut, wir kennen uns aus, gehen über eine andere Brücke. In der Stadt dann eine Demo. Für die Freiheit.

Ich habe dafür kein Verständnis. Die meisten von denen kennen wahrscheinlich keine Unfreiheit, wie sie in vielen anderen Ländern leider herrscht. Mit der fehlenden Freiheit, Kneipen zu besuchen, kann ich gut leben, zudem es endlich ist.

Aber ohne das Grundrecht auf Gesundheit möchte ich nicht leben. Es kommt der Gedanke auf, dass man den Protestierenden eine kleine Corona Erkrankung wünscht, damit sie wieder verstehen, was die Prioritäten im Leben sind. Also schnell weg von den Nicht Maskentragern und den Nicht Abstandshaltern.

In einer weniger frequentierten Ecke wird Eis verkauft. Aus dem Fenster – also keine Maske zum Kaufen notwendig (ich hatte meine vergessen). Alle stehen brav in einer 2 m Abstandsreihe, die Verkäuferin ist durch eine Plexiglasscheibe gesichert. Ich bekomme mein Eis und die Welt ist wieder in Ordnung 😀 Geht doch!

Zuhause konnte ich dann feststellen, das meine beiden Fußsohlen große Blasen aufweisen. Es war meine Entscheidung keine bequemen sondern Stadt Flanierschuhe anzuziehen. So ist das mit der Freiheit. Falsche Entscheidung getroffen, Gesundheit gefährdet.

Frühjahrsputz

Wir wohnen in einer kleinen, eher ländlichen Siedlung in der Stadt. 1 Bauernhof, 9 Einfamilienhäuser, 2 Doppelhaushälften, 2 Reiheneckhäuser und 2 Mehfamilenhäuser mit insgesamt 7 Wohnungen die zum Teil vermietet sind. Wir sind Familien mit Kindern, Paare und Singles. Also, alles vertreten… So unterschiedlich die Strukturen sind, so unterschiedlich sind auch die Menschen die hier leben.

Warum ich das erzähle?

Seit Mitte März ( ich mag das böse ‚C‘ – Wort nicht benutzen) haben alle das gleiche Ziel : Ihr Zuhause auf Vordermann bringen – aufpimpen auf Neudeutsch. Plötzlich entwickeln sich alle zu Heinzelmännchen!

Mit Hilfe von Hochdruckreinigern werden Terrassen, Wege und sogar Straßen bliz blank geputz. Dächer abgesprüht, Rollos und Fenster geputzt. Dann kamen Garten und Balkon Arbeiten. Aufgeräumt, neu bepflanzt, umgestaltet vom Blumen- zum Gemüsegarten. Der Rasen wird jetzt 2 x wöchentlich gemäht. Die Kehrmaschinen kommen zum Einsatz (hat man ja schon lange ungenutzt rumstehen). Jetzt sind wir bei den Malerarbeiten angekommen. Da wird Holz geschliffen auf Teufel komm raus, und danach Zäune, Gartenhäuschen, Gartenmöbel ect. mit neuer Farbe aufgefrischt.

Ich bin gespannt, was der Siedlungsgemeinschaft als Nächstes einfällt. Einer fängt an – alle machen mit. Aber wie unsere kleine Nachbarin (4 Jahre) immer sagt: ‚es könnte schlimmer sein‘! 😅

Nur einer bildet die Ausnahme. Unser Bauer. Er macht seit Tagen Holz. Der nächste Winter muss fürchterlich kalt werden!