Endlich wieder Theater

Man kann wieder problemlos Theaterkarten kaufen und ohne Test ein Theater besuchen. Anlass genug für mich und meine Schwägerin einen wunderbaren ,Mädelsabend‘ zu planen.

Bevor wir uns in unserem wunderschönen kitschig-romantischen Stadttheater in das kriminelle Chicago entführen lassen gehts zum ausgewählten Nobel-Italiener.

Dieser öffnet jedoch erst 90 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Na ja, sollte reichen… verzichten wir halt auf die Nachspeise. Der Laden ist sofort voll und es dauert bis wir bedient werden. Für Vorspeise – keine Zeit mehr. Wir essen Nudeln mit Scampi bzw. Vongole. Die rutschen leicht – geht schnell! Bei meiner Begleitung knirscht es dann doch zwischen den Zähnen. Es war noch Sand in den Muscheln aus Hawai….

Schnell ins Theater. Wir freuen uns aus die Vorstellung. Brav Masken auf. Außer uns macht das Keiner. Auf dem Weg in unsere Loge verschämt die Masken wieder abgenommen (ob das klug ist?). Wir sitzen Hinten auf den erhöhten Stühlen. Meine Schwägerin bekommt nach 5 min einen Krampf in den Füßen. Sie ist zu klein für diese Stühle.

Die Zuschauer in der Reihe vor uns sind noch nicht da. Also stellen wir uns erstmal hin. Jetzt merke ich es – meine Füße schmerzen gewaltig. Meine Theaterschuhe sind in den 2 Jahren Abstinenz zu klein geworden.

Die Vorstellung beginnt. Weitere Zuschauer sind nicht gekommen. Die Loge gehört und allein – wir brauchen keine Maske- das schlechte Gewissen ist beruhigt. Wir sitzen auf niedrigen Stühlen, direkt an der Balustrade und freuen uns. Wenn nur meine Füße nicht wären…

Ich zieh die Schuhe aus…. Dieser Gedanke lässt mich nicht mehr los. Aber wenn ich sie ausziehe komme ich nicht mehr rein…Ich muss bis zur Pause durchhalten. Ich brauche was zum trinken.

In ,Chicago‘ werden soeben Mörderinnen verhaftet, erhängt, verurteilt… Mir doch egal… meine Füße!

Pause vorbei. Zurück in der intimen Loge. Ich streife die Schuhe von den Füßen. Ah, der Abend ist doch schön. Die Vorstellung gut. Jetzt kreisen meine Gedanken nicht mehr um meine Füße sondern um die Schuhe.

Ich lasse sie einfach in der Loge zurück. Ja, das mache ich. In dem Getümmel nach Theaterschluss merkt doch keiner dass ich in Strümpfen in die Tiefgarage gehe. Ja das mache ich. Je mehr ich darüber nachdenke umso besser gefällt mir die Idee.

Ich mache das – bei dem Gedanken an die Reinigungsfrau die Morgen Früh meine wunderschönen Theaterschuhe finden wird – muss ich über das ganze Gesicht grinsen. Das Grinsen hört nicht auf bis wir zuhause sind.

Ja – der Abend war toll !

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Tante Anne

Meine Tante Anne war in unserer Familie die erste emanzipierte Frau die ich als solche wahrgenommen habe. Alleinerziehend. Nie verheiratet. Sie hatte einen Arbeitsplatz bei Siemens im Büro! Sie hatte immer schon ein größeres Auto und sie fuhr damit in Urlaub! Nach Jugoslawien oder Italien.

Mit einem großen Zelt, welches sie selbständig. ohne Mann aufbauen konnte. Allerdings musste das geübt werden. Bei uns im Garten. So entstand auch in meiner Familie der Wunsch nach einer Italienreise.

Nachdem mein Vater 1973 endlich überzeugt werden konnte, dass er kein Feigling ist ( er hatte seit seinen schrecklichen Kriegserlebnissen Angst vor den Italienischen Partisanen) begann unsere 1. Reise unter Planung, Leitung und Durchführung durch meine Tante.

Wir hatten nur einen Fiat 770, Jagst genannt. In diesem sollten mein Vater und meine Mutter sitzen sowie unser Gepäck befördert werden. Wir Kinder fuhren bei Tante Anne mit. Es wurde telefonisch ein 1 Raum ,Bungalow’ für meine Eltern reserviert. Wir schliefen im Zelt. Und dann wurde die Fahrtroute erstellt und im Detail besprochen. Die entscheidenden Punkte der Strecke wurden von Anne auf einem Zettl, dem Routenplaner aufgeschrieben. Das sah dann so aus:

Regensburg auf der B15 Richtung Landshut verlassen. Der B15 bis Rosenheim folgen.

Kurz vor Rosenheim auf die Autobahn Richtung Innsbruck.

Ausweise herrichten! Grenze bei Kiefersfelden…. ..

1. Rast am Parkplatz… schöne Aussicht auf Fluss..

So ging es bis zum Campingplatz Ca‘ Pasquali.

Tante Anne‘s Routenplaner begleiteten uns (und viele andere Reisende) jahrelang zu verschiedensten Zielen.

Sie waren weder durch Straßenkarten noch durch Atlanten zu ersetzen. Ich behaupte, sie waren noch besser als unsere heutigen Navigationen!

Danke an Tante Anne – du hast uns die Welt erschlossen!

PS: Danke T. du hast mich zu dieser Geschichte inspiriert.

Micro Abenteuer

Wie belebend Kleine und große Abenteuer für unser Leben sind, durfte ich erleben. Für die großen Abenteuer gibt es derzeit keine Möglichkeiten – auch die Kleinen sind eingeschränkt

Seit einigen Monaten kann man in der Sonntagsausgabe unserer Tageszeitung diverse Ratschläge zur Bewältigung der Corona Krise nachlesen. Der letzte, seitenfüllende Beitrag war mal was Neues. Also warum nicht Micro Abenteuer. Was das ist? Durften wir heute erleben!

Aprilwetter. Sonne, Wolken. 3 Tropfen Regen, Wind und wieder Sonne. Trotzdem, wir wollen einen Nachmittagsspaziergang in der Natur machen. Winterjacke mit Kapuze ist schon weggeräumt. Also leichte Steppjacke und darunter Strickweste tut es auch. Noch ein Seidenschal. Man will ja hübsch aussehen. Und los geht es. Zusammen mit meiner Cousine. Die Sonne scheint. Also wir wählen den weiteren Weg, raus aus der Siedlung hoch auf den Berg, durch Feld und Wald.

Ja, wir sehen eine dicke schwarze Wolke…. War heute schon öfters zu sehen….

Halb am Berg, am weitesten von schützenden Gebäuden entfernt, bricht es los. Das heftigste Schneegestöber des Jahres. Es stürmt. Der Schnee kommt in dicken Flocken quer daher. Innerhalb weniger Minuten sehen wir aus wie die Schneemänner. Der Seidenschal muss als Kopftuch herhalten. Es hört nicht auf, wird immer schlimmer. Wir kehren um, den Berg abwärts, in der Hoffnung, dass wir dort besser vom Wind geschützt sind. Nützte nix. Tropfnass und durchgefroren.

Was soll ich sagen, wir hatten schon lange nicht mehr soviel Spaß 🤩

Schön war’s – ein echtes Abenteuer!

Sicherheit ?

Jetzt bin ich ja viel Zuhause. Und es klingelt oft an der Haustüre. Ich öffne die Türe, ohne zu wissen wer mich erwartet. Meist die diversen Paketzusteller. Manchmal Nachbarn. Selten Besuch…

Nach einer XY Sendung habe ich meinen Mann um eine Klingelkamera gebeten. Man weiß ja nicht…. Ein bisschen mehr Sicherheit kann ja nicht schaden. Das war ein Fehler…

Wir haben jetzt ein Kamerasystem. Ich sehe wer vor der Türe steht und kann mich mit demjenigen unterhalten ohne die Türe zu öffnen 👍

Zudem haben wir eine Kamera im Carport und im Garten. Sollte jemand an unsere Autos fahren oder an die Pfosten vom geliebten Carport so können wir den Übeltäter dank der Videoaufzeichnung dingfest machen (lassen). Jede Bewegung wird aufgezeichnet. Macht z.B. bei 5 Paketdiensten 10 Aufzeichnungen…. Auch muss ich zur Müllentsorgung durch die Haustüre ins Carport. Papiertonne, Biotonne, Restmüll. Ach ja, der Gang zum Briefkasten ist auch täglich fällig. Also wieder X – Aufnahmen der immer wachsamen Kameras.

Es nervt. Also Kameras deaktivieren sobald ich zuhause und aktiv bin.

Echten Spaß bringt die Kamera im Garten. Jetzt können wir jeden Morgen sehen wie die nachbarschaftliche Katzenbande im 30min Wechsel durch unseren Garten schleicht. Höhepunkt diese Woche – ein Marder. Und natürlich keine Katze da um ihn von unseren Autos fernzuhalten….

Weihnachten, wie‘s früher war

Man hat ja jetzt viel Zeit und Muse seinen Gedanken zu folgen. Ich erinnere mich derzeit oft an meine Kindheit. An Weihnachten.

Wir lebten, drei Generationen in einem kleinen Siedlerhaus, am Rande der Stadt. Unser Wohnzimmer war wirklich klein. Und doch hatten wir alle, meine Eltern, die Oma und auch die jüngste Schwester meines Vaters mit ihrem Mann Platz. Mama, Papa und Oma auf dem Sofa. Mein Onkel im Sessel, meine Tante auf einem Küchenstuhl und wir Kinder auf dem Boden unter dem Tisch. Dort war’s gemütlich. Wie in einem Zelt. Auf diese Weise hatten wir alle freien Blick auf den Fernseher. Fernsehen durfte man aber an Heilig Abend nicht.

Mittags gab es Leberknödelsuppe. Die konnte schon am Vortag gekocht werden. Ebenso, für den Abend, das Sauerkraut und der spezielle Kartoffelsalat meiner Mutter. Am frühen Nachmittag zogen wir alle unsere feinste Kleidung an. Zusammen mit der Tante und meiner Mama durfte ich am Nachmittag das Theater besuchen. Kindertheater, Peterchens Mondfahrt zum Beispiel. Es war märchenhaft. Das alte, wunderschöne Barocktheater, die Musik, die festlich gekleideten Menschen, ich fühlte mich wie Sissi – ein Mädchentraum. Mein kleiner Bruder hat sich derweil die Zeit bei und mit Oma im 1. Stock des Hauses vertrieben. Mein Onkel ging zum Fischen. Mein Vater war der offizielle Assistent des Christkindes.

In einem kleinen Nebenraum (Kinderzimmer wäre zuviel gesagt) zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer stellte er ein Tischchen auf. Darauf kam eine Weihnachtstischdecke. Darauf dann der kleine Weihnachtsbaum. Dann holte mein Vater die verborgene Truhe vom Dachboden und schmückte den Baum. Er machte das immer mit viel Liebe. Wir hatten elektrische Kerzen – aber er hängte eine Menge Sternwerfer an den Baum. Dann wurden die Geschenke auf dem Tisch drapiert. Unter dem Tischchen stand immer die selbst gestaltete Krippe. Der Raum wurde geschlossen. Er war nicht beheizt.

Zurück aus dem Theater versammelten sich langsam alle im Wohnzimmer vor der geschlossenen Tür. Wir waren neugierig und obwohl es verboten war lugte ich durchs Schlüsselloch. Ein kalter Luftzug blies mir ins Auge. Das Christkind hatte mich entdeckt und bestraft.

Dann, endlich – mein Vater sah nach ob das Christkind weg war und es läutete. Die lang ersehnte Glocke läutete. Wir durften das Weihnachtszimmer betreten. Es war dunkel, nur die Kerzen am Baum leuchteten. Wir waren schwer beeindruckt von dieser Pracht. Nun kam der Höhepunkt des Abends. Mein Vater zündete die Sternwerfer am Baum und wir alle 7 zusammen sangen, nicht gut aber inbrünstig ‚Stille Nacht´. Alle drei Strophen. Bis alle Sternwerfer abgebrannt waren. Ich rieche diesen Duft heute noch.

Dann wünschten wir uns Frohe Weihnachten, umarmten und küssten uns. So manche Träne der Rührung wurde verdrückt und endlich – Bescherung!

Welch glückliches Weihnachten.

P.S. Nur einmal waren wir am Heiligen Abend 8. Mein Onkel hatte tatsächlich einen großen Karpfen gefangen. Dieser verbrachte dann die Heilige Nacht fröhlich bei uns in der Badewanne… der Speiseplan wurde nicht geändert😉

Quelle Katalog

Könnt ihr euch noch an dieses dicke Buch der Wünsche erinnern? Es kam zweimal im Jahr. Heissbegehrt bei uns Kindern war der Winterkatalog.

Anders als heute konnten wir uns nicht im Internet oder sonstigen Social Media Kanälen informieren, welche Spielzeuge gerade angesagt waren. Im Fernsehen gab es eher Werbung für Maggie Produkte, Spüli und Zigaretten. Die Spielwarenmesse in Nürnberg war nur eine Messe für Fachhändler. An einen Einkaufsbummel mit Mama (ohne konkreten Anlass) kann ich mich erst in den Mitte 70er erinnern, nach dem bei uns ein Einkaufszentrum eröffnet wurde.

Zurück zum Katalog. Dieses Bilderbuch der Wünsche brachte uns durch den Herbst und den Advent. Täglich haben wir geblättert. Seiten als Merker eingeknickt, Spielzeuge als Wunsch markiert – wieder verworfen und neue Wünsche formuliert. Nach Weihnachten war der Katalog total zerfleddert und Mama freute sich auf den neuen Frühjahrskatalog.

Meine Kinder hatten dann schon mehr Auswahl an Printmedien. Es gab eigene Kataloge vom Vedes Fachgeschäft, vom Drogeriemarkt Müller oder Woolworth. Auch im Fernsehen wurden die Kinder als Werbekunden entdeckt. Mit den Kinderfilmen im Kino wurde bestimmt nicht soviel verdient, wie mit den passenden Spielzeugen dazu. Ich erinnere mich z.B. an Glücksbärchen, Masters of Universe oder Little Foot. Trotzdem blätterten meine Kinder sehr gerne in Katalogen und Prospekten. Was man sich alles wünschen könnte…. und Vieles davon, zu Vieles, wurde dann auch in den Geschäften gekauft.

Auch meine Enkelin freut sich heute noch über einen Spielzeugkatalog. Die Reaktion ist aber eine andere. Sie freut sich, dass sie auf Papier entdeckt was sonst über die div. Bildschirme zu sehen ist.

Ja, und ich bzw. wir? Freuten uns über die wöchentlich angelieferten Prospekte der im Umkreis von wenigen Metern liegenden Supermärkte, Discounter, Möbelhäuser und Baumärkte. Zu unserem morgendlichen Sonntagsvergnügen gehörte das Finden von ‚Schnäppchen‘. Wir machten eine Einkaufsliste und einen Routenplan für den Montag. Familie mit zwei Kindern, Hund und Haus benötigt so manches. Da musste man auch aufs Geld schauen…

Heute blättern wir immer noch in Prospekten. Aber die Einkaufstour entfällt. Wegen Corona? Nein!

Wir brauchen schlicht und einfach fast nix mehr 😀

Wenn mir früher meine Oma Geld geschenkt hat und ich es nicht nehmen wollte aufgrund ihrer geringen Rente – hat sie immer gesagt: Kind, ich brauch nix mehr, nimm’s ruhig.

Oh man, jetzt sind wir auch so weit….

Wochenblatt

Heute ist Sonntag und damit auch Wochenblatttag. Man kann über diese kostenlose Zeitung, die frei Haus geliefert wird, durchaus geteilter Meinung sein.

Obwohl ich Abonnent unserer lokalen Tageszeitung bin und auch sonst digital viel Zeitung lese, finde ich, dass die Wochenblätter durchaus ihre Daseinsberechtigung haben.

Die lokalen Artikel bieten oft eine andere Perspektive zu den etablierten Zeitungen. Die Volontäre und Redakteure sind meist ‚frisch‘ , unverbraucht und noch ohne großes Netzwerk ins Etablishment. Dementsprechend auch noch mutiger andere Meinungen als des Mainstream zuzulassen. Als Leser und Bürger hat man bei diesen Blättchen eher mal die Möglichkeit ein Thema zu platzieren, dass einem wichtig ist.

Für viele Mitbürger ist das Wochenblatt wohl auch die einzige Zeitung, die sie lesen – da kostenlos. Und wahrscheinlich auch wertvoller als die BILD. Zudem gibt es die Möglichkeit kostenlose Inserate für gebrauchte Sachen zu platzieren bzw. Dinge zu finden, die man dringend braucht, sich aber nicht leisten kann.

Zudem konnte ich feststellen, dass Stellenanzeigen für Aufgaben, die geeignet sind für Mitbürger ohne große Bildung und Ausbildung, im Wochenblatt inseriert werden. Menschen, die nicht Internetaffin sind in Arbeit zu bringen halte ich für sehr wichtig.

Zu guter Letzt gibt es zusammen mit unserem Wochenblatt viele Prospekte örtlicher Geschäfte und Anbieter.

Das ist aber eine neue Geschichte. Seid gespannt.

Flughafen Paderborn – eine längere Kurzgeschichte Teil 2

Der Flughafen Paderborn kann beschrieben werden als große Industriehalle mit einem Counter, der zugleich ein Kiosk ist. Die Anzeige der Flüge ist aber professionell und mein Flug nach München soll pünktlich stattfinden. Das Wetter ist inzwischen sonnig und trocken. In 10 Min soll der Flug starten. Es tut sich aber rein gar nichts. Alle anderen Fluggäste sitzen ruhig im Wartebereich. Na gut, wird hier nichts besonderes sein, wenn sich ein Flug verspätet… Die Anzeige gibt keine neuen Informationen her. Langsam werde ich nervös. Ich gehe zum Kiosk und frage mal nach. Ja, der Flug wird sich verspäten. In München schneit es und es gibt keinen Landeslot für den Flieger aus Paderborn. Der Flug verschiebt sich immer wieder. Ich informiere mich nach einem Zug nach München. Auch keine Möglichkeit…. Also warten.

Nach Stunden des Wartens, und vielen Telefonaten mit meinem Chef in Feldafing die gute Nachricht. Wir werden jetzt alle nach Frankfurt geflogen. In eine große Maschine gepackt und so Gott will, beim nächstmöglichen Slot nach München geflogen. Also jetzt in Frankfurt. Ich bin in den Flieger nach München gebucht. Kann aber noch Stunden dauern. Mit einer Zufallsbekanntschaft, einem Leidensgenossen beschließe ich, mir ein Bier zu genehmigen. Kaum steht das Bier am Tresen kommt die Durchsage: Alle Passagiere nach München sofort an Board. Boarding schließt in 5 Min. Wieder im Dauerlauf in die Maschine. Die Türe schließt direkt hinter mir, der Flieger rollt schon obwohl die Meisten noch im Gang stehen. Wir fliegen Richtung München. Der Pilot hofft, dass wir landen können. Sicher ist es nicht. Schneechaos in München.

Wir landen. Ich bin in München. Gott sei Dank. Mitternacht. Jetzt ins Auto und entspannt nach Starnberg fahren. Entspannt? Der Schnee liegt Zentimeter Hoch auf der Autobahn. Es ist nix los. Alle anderen sind Zuhause. Ich Schleiche und rutsche durch München. Komm aber voran. Nach München gleicht die Fahrbahn einer Rodelpiste. Es wird wohl nicht mehr geräumt….

Um 2 Uhr morgens erreiche ich das Tagungszentrum. Die Einfahrt liegt in einer kleinen Kurve. Ich bremse, rutsche und lande in der Wiese. Die letzten Meter, den Berg hinauf gehe ich zu Fuß. Mit Pömps.

Das war ein Tag. Ein Lieber Kollege hat vorsorglich eine Flasche Rotwein und Knabberzeug organisiert und auf mich gewartet. Der beginnende Morgen wurde dann noch sehr nett und lustig.

An diesem Tag konnte ich dann auch meine zweite Aufgabe zur Zufriedenheit aller erledigen. Nur einige Kollegen mussten Federn lassen, beim Versuch mein Auto aus den Schneemassen zu befreien. Schuld daran waren bestimmt die chicen Anzugschuhe 😂

Das war sie, eine Geschichte aus meinem Leben, die ich nie vergessen werde.

Flughafen Paderborn – eine längere Kurzgeschichte, Teil 1

In der momentanen Krise geraten viele kleinere Flughäfen in Schieflage. Dazu gehört auch der Flughafen Paderborn, der Insolvenz beantragen musste. Was interessiert mich Paderborn? Nun, ich verbinde eine, im Nachhinein sehr amüsante Erinnerung mit Paderborn.

Es war einmal, vor vielen Jahren, da sollte ich innerhalb von zwei Tagen die Welt meines Geschäftsgebietes retten. Ich, das noch kleine Rädchen im mittleren Management der großen Firma.

Die eine Aufgabe bestand darin, im Rahmen unseres Leitungskreises im elitären Tagungszentrum in Feldafing, meine Kollegen und Kolleginnen von den dringend notwendigen Veränderungen in unseren Prozessen zu überzeugen.

Die andere Aufgabe war für mich die größere Herausforderung, da neues Terrain. Ich sollte die Vertriebskollegen unserer SBS dabei unterstützen einen neuen großen Kunden zu gewinnen. Dazu war ein Besuch beim Vorstandsvorsitzenden dieser Firma in Paderborn anberaumt.

Der Plan war, ich fahre sehr früh mit dem Auto zum Flughafen nach München. Fliege von dort nach Paderborn. Werde am Flughafen vom Kollegen abgeholt und zum Kunden gefahren. Um 10 Uhr war der Termin. Danach geht es zurück und dann mit dem Auto weiter zum Starnberger See. Am nächsten Tag dann mein Vortrag. Soweit der Plan..

Es war im Februar. Schlechtes Wetter war zu erwarten. Also noch früher aufstehen und noch früher losfahren. Ab der Holledau dichter Nebel. Unfall auf der A9. Kein Problem, wird zwar knapp aber ich bin rechtzeitig losgefahren. Am Flughafen dann möchte ich mittels meiner Amex das elektronisch gebuchte Ticket ausdrucken. Fehlanzeige! Es klappt nicht. Panik!!!! Ich sofort zum Schalter.3 Menschen vor mir. Das klappt noch. Als ich dran bin, stellt die Dame fest, dass ich am falschen Schalter bin. Sie sieht die Panik in meinen Augen und informiert ihre Kollegin am Schalter gegenüber. Diese zieht mich den Wartenden vor. Sie versucht das elektronische Ticket zu aktivieren. Geht nicht. Ich, in meiner Not, möchte ein neues Ticket kaufen. ‚OK, sagt sie, dann machen wir das. Oh – leider kann ich kein Ticket mehr für diesen Flug ausstellen. Das Boarding ist geschlossen.

´ Nicht ausflippen, Ruhe bewahren sage ich zu mir. Zu Ihr sage ich: ich muss! Um 10 Uhr in Paderborn sein. Welche Möglichkeiten gibt es. Sie: keine, es geht erst wieder Nachmittag ein Flug nach Paderborn. Ich: gibt es einen anderen Flughafen in der Nähe. Sie: ja etliche. Ich: ich nehme den ersten Flug in die Nähe – egal wohin. Sie: Große Augen Ich: ja bitte sehen sie nach welche Maschine die nächsten 30 Min in diese Richtung fliegt. Sie: Es gibt einen Flug nach Dormund, der schließt aber in 15 min das Boarding. Ich: Bitte sofort buchen und am Gate informieren, dass ich komme. Also im Dauerlauf durch den halben Flughafen. Rein in den Flieger und ab gehts nach Dortmund 😅

Die Stewardess genehmigt mir ausnahmsweise ein Telefonat, während wir zur Startbahn rollen. Ich informiere meine Sekretärin über die Planänderung. Der Kollege kann sich den Weg zum Flughafen Paderborn sparen. Ich nehme mir in Dortmund einen Leihwagen und fahre direkt zum Kunden. So der Plan.

Über Dortmund dicker Nebel. Wir kreisen erstmal ein wenig – Panik, die Zeit läuft davon… Wir landen. Für einen Leihwagen ist es zu spät. Ich hüpfe in das erstbeste Taxi. Bitte fahren sie mich nach Paderborn und schnell bitte, ich muss um 10 Uhr an einem sehr wichtigen Termin teilnehmen. Taxifahrer: das wird knapp. Aber wenn wir eine Pauschale ausmachen, könnten wir das schaffen 😉 Ich: Alles was sie wollen. Wir waren um 9:55 Uhr an der Pforte, der Preis war fair. Ich war pünktlich und der Termin verlief super.

Danach, Mittag ging die Anspannung zurück. Mir zitterten die Knie und der Kollege sah sich in der Pflicht mich auf eine Mittagspause in einem wunderschönen Lokal einzuladen. In der Erwartung, dass nun alles wieder seinen geregelten Ablauf nimmt, fuhr er mich danach zum Flughafen Paderborn.

Weit gefehlt… Interessiert es euch wie’s weiterging? Dann bitte Teil 2 lesen.

Berliner Flughafen

Ganz zu Anfang meiner Berufstätigkeit durfte ich als Incentiv einen Kollegen nach Berlin zu WMW (Werkzeugmaschinenbau der Siemens AG) begleiten. Das war Anfang der 80er. Fliegen war damals noch ein großes Erlebnis und nichts alltägliches.

Meine Flugreise ging von München Riem nach Berlin Tegel. Der Flug wurde von PanAm als Transitflug durchgeführt. Nur die Alliierten durften die festgelegten Luftkorridore benutzen. Und es war ausschließlich eine Flughöhe von mindestens 2500 bis höchstens 3048 Meter zulässig.

Dieser Flug wurde zu einem meiner größten Abenteuer welche ich erleben durfte.

Die Maschine der amerikanischen Fluglinie war ein ausgemustertes, sehr altes Exemplar, dass man wohl in Amerika nicht mehr einsetzen konnte und wollte. Beim Einsteigen war das leider nicht zu übersehen. Na ja, die 2 Stunden! nach Berlin würde ich schon überstehen. Der Flieger brummte, wackelte und zitterte in die Luft. Ich hatte das Gefühl alle Schrauben waren locker… und es kam noch besser. Kaum gestartet teilte uns der Kapitän mit, dass wir durch eine große Gewitterfront müssen. Diese könnte er nicht überfliegen, da er die Flughöhe von 3000m einhalten muss. Die DDR hätte nur Radaranlagen die bis zu dieser Höhe funktionieren. Der Blitz wird uns nicht erschlagen, da das Flugzeug ja ein Faradayscher Käfig ist. Es wird nur kräftig wackeln und rauf und runter gehen. Wie tröstlich. So war es dann auch. Wir Passagiere waren bei der Ankunft so fertig, dass man uns großzügiger Weise am Flughafen in Tegel in den exklusiven VIP Bereich geleitet und mit kreislauffördernden Alkoholica versorgt hat. Den Rest des Tages habe ich dann dank dieser Behandlung im Hotelbett verbracht….

Nun, am Tag der Rückreise hatte ich dann Zeit und Muse mir den Flughafen Tegel genauer anzusehen. Er hat mich sehr beeindruckt, auch durch seine runde Form. Man konnte sich nicht verlaufen. Und die vielen internationalen Flugzeuge. Dagegen war der Flughafen in München provinziell.

Später, viel später, bin ich dann oft nach Berlin Tegel geflogen. Meist von Nürnberg. Zu dieser Zeit war Berlin Tegel ein riesiges Drehkreuz der Air Berlin. Unzählige Maschinen waren im Einsatz. Ich hatte das Gefühl Air Berlin wäre als Fluggesellschaft größer und bedeutender als die Lufthansa.

Ja, inzwischen gibt es vieles Nicht mehr: die DDR, den Flughafen Riem, die Air Berlin, die WMW und nun zu guter Letzt auch den Flughafen Tegel. Alles Vergangenheit.

Derzeit schaue ich wehmütig nach dem BER. Zur Eröffnung tat man sich schwer 2 Maschinen gleichzeitig landen zu lassen. Und dann war eine dieser Maschinen auch noch ein Billigflieger… Außer der Lufthansa fliegen im Moment wenig namhafte Airlines den neuen BER an. Zumindest braucht niemand mehr befürchten, dass er zu klein geraten ist, der neue Flughafen. Traurig.

Dem neuen Flughafen BER wünsche ich alles Gute. Auch, dass er irgendwann mal seinem Status als Flughafen der Deutschen Hauptstadt gerecht werden kann.